Du willst ein diverses Team aufbauen? Mehr Bewerbungen von unterrepräsentierten Gruppen? Talente erreichen, die bisher an dir vorbeigegangen sind?
Dann fang bei der Stellenausschreibung an.
Denn hier passiert der erste Filter – oft unbewusst. Die falschen Worte, unnötige Anforderungen oder fehlende Informationen können dafür sorgen, dass sich qualifizierte Menschen gar nicht erst bewerben. Nicht weil sie nicht können, sondern weil sie sich nicht angesprochen fühlen.
Hier sind 7 konkrete Dos and Don'ts, mit denen du deine Stellenausschreibungen inklusiver gestaltest – mit Beispielen, die du direkt umsetzen kannst.

Bild: Canva.com
1. Sprache: Schreib so, dass sich alle angesprochen fühlen
❌ Don't: "Wir suchen einen erfahrenen Projektleiter, der unser Team verstärkt."
✅ Do: "Wir suchen eine erfahrene Projektleitung (m/w/d), die unser Team verstärkt."
Oder noch besser – durchgehend genderneutral: "Wir suchen eine erfahrene Person für die Projektleitung, die unser Team verstärkt."
Warum das wichtig ist: Studien zeigen: Stellenausschreibungen, die nur das generische Maskulinum verwenden, sprechen Frauen weniger an. Das (m/w/d) im Titel reicht nicht – wenn der Rest der Anzeige nur von "dem Mitarbeiter" spricht, wirkt das Signal nicht glaubwürdig.
Tipp: Entscheide dich für eine Form des Genderns und zieh sie konsequent durch. Ob Doppelpunkt (Mitarbeiter:in), Sternchen (Mitarbeiter*in) oder neutrale Formulierungen (Mitarbeitende) – Hauptsache einheitlich.
2. Anforderungen: Trenn "Muss" von "Nice-to-have"
❌ Don't: Eine ellenlange Liste mit 15 Anforderungen, die alle als gleichwertig präsentiert werden.
✅ Do: Klare Trennung:
Das bringst du mit:
- Abgeschlossene kaufmännische Ausbildung oder vergleichbare Qualifikation
- Erfahrung in der Kundenbetreuung
- Gute MS-Office-Kenntnisse
Das wäre ein Plus:
- Kenntnisse in SAP
- Erfahrung im E-Commerce
Warum das wichtig ist: Untersuchungen zeigen: Frauen bewerben sich oft erst, wenn sie 100% der Anforderungen erfüllen. Männer bewerben sich schon bei 60%. Wenn du alles als "Muss" präsentierst, verlierst du qualifizierte Bewerber:innen – besonders Frauen, Menschen mit atypischen Karrierewegen oder Quereinsteiger:innen.
Tipp: Frag dich bei jeder Anforderung: Ist das wirklich notwendig für den Job? Oder wäre es nur "nice to have"? Sei ehrlich.
3. Sprachkenntnisse: Finger weg von "Muttersprache"
❌ Don't: "Deutsch als Muttersprache" "Akzentfreie Aussprache"
✅ Do: "Sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift" "Verhandlungssichere Deutschkenntnisse (C1/C2)"
Warum das wichtig ist: Das ist nicht nur ein Diversity-Thema – es ist rechtlich relevant. Das Bundesarbeitsgericht (Deutschland) und diverse Arbeitsgerichte haben entschieden: Die Anforderung "Deutsch als Muttersprache" ist eine mittelbare Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft und verstösst gegen das Gleichbehandlungsgesetz.
Der Grund: Muttersprache ist untrennbar mit Herkunft verknüpft. Jemand kann perfekt Deutsch sprechen, ohne dass es seine Muttersprache ist. Mit "Muttersprache" schliesst du Menschen aus, die die Sprache genauso gut beherrschen – nur eben später gelernt haben.
Tipp: Definiere das Sprachniveau, das wirklich gebraucht wird. C1? B2? Schreib das hin. Das ist objektiv und fair.
4. Alter: Vermeide versteckte Altersdiskriminierung
❌ Don't: "Junges, dynamisches Team sucht Verstärkung" "Du passt perfekt zu uns, wenn du gerade dein Studium abgeschlossen hast" "Digital Native gesucht"
✅ Do: "Unser motiviertes Team sucht Verstärkung" "Du passt zu uns, wenn du Lust auf neue Herausforderungen hast" "Du bist digital affin und lernst gerne Neues"
Warum das wichtig ist: Formulierungen wie "junges Team" oder "Digital Native" signalisieren älteren Bewerber:innen: Hier bist du nicht gemeint. Auch wenn das nicht die Absicht ist – die Wirkung zählt.
Menschen über 50 bringen oft jahrzehntelange Erfahrung, Gelassenheit und Netzwerke mit. Wer sie von vornherein ausschliesst, verpasst wertvolle Talente – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.
Tipp: Lies deine Stellenausschreibung mit den Augen einer 55-jährigen Person. Würde sie sich angesprochen fühlen?
5. Flexibilität: Zeig, dass du unterschiedliche Lebenssituationen respektierst
❌ Don't: Keine Angaben zu Arbeitsmodellen, Teilzeit oder Homeoffice.
✅ Do: "Diese Stelle ist in Vollzeit oder Teilzeit (ab 60%) möglich." "Wir bieten flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, teilweise im Homeoffice zu arbeiten." "Wir unterstützen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie."
Warum das wichtig ist: Eltern (vor allem Mütter), pflegende Angehörige und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen brauchen oft Flexibilität. Wenn in der Stellenausschreibung nichts dazu steht, gehen viele davon aus: Das wird hier nicht angeboten.
Untersuchungen zeigen, dass besonders Frauen bei ihrer Jobsuche nach Informationen zu flexiblen Arbeitsmodellen und Teilzeitoptionen suchen. Wenn diese fehlen, bewerben sie sich seltener.
Tipp: Auch wenn du dir nicht sicher bist, ob Teilzeit möglich ist – schreib "Teilzeit nach Absprache möglich". Das öffnet Türen.
6. Barrierefreiheit: Denk an Menschen mit Behinderungen
❌ Don't: "Du musst körperlich fit sein und Regale einräumen können." (Wenn das gar nicht die Hauptaufgabe ist.)
✅ Do: "Unser Büro ist barrierefrei zugänglich." "Wir setzen uns aktiv für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ein." "Bei Fragen zu barrierefreien Arbeitsbedingungen wende dich gerne an uns."
Warum das wichtig ist: Menschen mit Behinderungen werden im Arbeitsmarkt stark unterrepräsentiert – oft nicht, weil sie den Job nicht können, sondern weil Stellenausschreibungen sie nicht ansprechen oder sogar aktiv ausschliessen.
Wenn du einen "gültigen Führerschein" forderst, aber die Person den Job auch ohne Auto machen könnte – dann überleg, ob das wirklich nötig ist. Wenn du "sportliche Team-Events" bewirbst, denk daran: Nicht jeder kann daran teilnehmen. Mach solche Angebote optional.
Tipp: Prüfe jede Anforderung: Ist das wirklich jobrelevant? Oder schliesst es Menschen unnötig aus?
7. Diversity-Statement: Zeig, dass du es ernst meinst
❌ Don't: Gar keine Aussage zu Diversity. Oder: Ein generisches "Wir freuen uns über alle Bewerbungen", das niemand ernst nimmt.
✅ Do: "Wir setzen uns aktiv für Vielfalt und Chancengleichheit ein. Bewerbungen von Menschen aller Hintergründe, Geschlechter, Altersgruppen, mit und ohne Behinderung sowie unabhängig von ethnischer Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung sind bei uns willkommen."
Oder, wenn ihr konkrete Initiativen habt: "Als Unternehmen haben wir das Swiss LGBTI-Label. Wir bieten Mentoring-Programme für unterrepräsentierte Gruppen und flexible Arbeitsmodelle für unterschiedliche Lebenssituationen."
Warum das wichtig ist: Menschen aus unterrepräsentierten Gruppen achten genau darauf, ob ein Unternehmen Diversity nur behauptet oder wirklich lebt. Ein authentisches Statement – idealerweise mit konkreten Beispielen – signalisiert: Hier werde ich respektiert.
Tipp: Sag nur, was du auch meinst. Ein leeres Diversity-Statement ist schlimmer als gar keines. Wenn du noch am Anfang stehst, schreib: "Wir arbeiten aktiv daran, ein inklusiveres Unternehmen zu werden."
Bonus: Die häufigsten Formulierungs-Fallen
Hier noch ein paar Formulierungen, die du vermeiden solltest – und bessere Alternativen:
"Deutsch als Muttersprache" → Besser: "Sehr gute Deutschkenntnisse (C1/C2)"
"Junges, dynamisches Team" → Besser: "Motiviertes Team"
"Belastbar und stressresistent" → Besser: "Du behältst auch in intensiven Phasen den Überblick"
"Durchsetzungsstark" → Besser: "Du kommunizierst klar und überzeugend"
"Digital Native" → Besser: "Du bist digital affin"
"Hands-on-Mentalität" → Besser: "Du packst gerne mit an"
"Führerschein Klasse B erforderlich" → Nur wenn wirklich nötig!
"Langjährige Erfahrung" → Besser: "Erfahrung in..." (ohne Jahresangabe)
Zum Schluss: Warum das alles?
Inklusive Stellenausschreibungen sind kein "Nice-to-have". Sie sind ein strategischer Vorteil.
Wer diverse Talente will, muss sie auch ansprechen. Und das beginnt mit dem ersten Kontakt: der Stellenausschreibung.
Die gute Nachricht: Es sind oft kleine Änderungen, die grossen Unterschied machen. Ein paar Worte hier, eine Information dort – und plötzlich bewerben sich Menschen, die du vorher nie erreicht hast.
Probier's aus. Dein nächstes Top-Talent wartet vielleicht nur darauf, sich angesprochen zu fühlen.
Über Including YOU!
Including YOU! ist die führende Diversity-Jobplattform der Schweiz. Wir verbinden Unternehmen, die Vielfalt ernst nehmen, mit über 20'000 Kandidat:innen aus unterrepräsentierten Gruppen.
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→ Jetzt Kontakt aufnehmen: www.includingyou.ch